Inhalt:
Presse
Westdeutsche Allgemeine Zeitung | 4. September 2007
Hier sitze ich nicht nur rum
In Stoppenberg wohnen sieben Seniorinnen und Senioren in einer Wohngemeinschaft und gestalten ihren Alltag nach ihren Fähigkeiten. Für pflegebedürftige Bewohner stehen examinierte Kräfte bereit.
Von Ingo Gutenberger
20 Jahre hat die 73-jährige Frigge Dombrowski allein gelebt, wurde von ihrer Tochter versorgt. Nach einer Rheuma-Erkrankung und einem Nervenzusammenbruch konnte sie nicht mehr zurück in ihre Wohnung. Seither lebt sie mit sechs Seniorinnen und Senioren in einer Wohngemeinschaft des ambulanten Pflegedienstes Pflege-Netzwerk in Stoppenberg. "Anfangs war es schwer, aber jetzt habe ich mich eingelebt", erzählt sie beim Kartoffelschälen.
Eingelebt hat sich auch der 67 Jahre alte Reinhard Pfaul. Er konnte nach einer Erkrankung an Demenz und einem längeren Krankenhausaufenthalt seine Wohnung nicht mehr halten, zog in die Wohngemeinschaft. "Es ist schön, dass ich hier helfen kann und nicht untätig ´rumsitzen muss", erzählt auch er beim Kartoffelschälen. "Aber ich finde es schade, dass hier eine Spülmaschine steht." Denn beim Spülen mit der Hand war er begeistert dabei.
"Unser Ziel ist, den Bewohnern nach ihren Fähigkeiten ein Leben wie in einer normalen Wohnung zu ermöglichen", erklärt Pflegedienstleiterin Michaela Kaßler. Das fängt bei der Gestaltung des Zimmers mit eigenen Möbeln an: "Die Bewohner müssen nicht auf lieb gewonnene Stücke verzichten." Auch der Gemeinschaftsraum wurde von den Bewohnern gestaltet. Je nach ihren Fähigkeiten, aber auch Wünschen, helfen die Bewohner im Haushalt, gestalten ihre Freizeit. "Wer kann, geht allein aus, sonst werden sie von den Betreuern begleitet", weiß Kaßler. Ausflüge in die Umgebung stehen ebenso auf dem Programm wie Besuche in der Philharmonie oder auf dem Fußballplatz.
In der Wohngemeinschaft stehen rund um die Uhr examinierte Pflegekräfte zur Verfügung. Wer pflegebedürftig ist, muss nicht in ein Pflegeheim übersiedeln, selbst bei hohem Grad der Pflegebedürftigkeit. "Nur Menschen mit schwerer Demenz können wir nicht pflegen", erklärt die Leiterin. Den Bewohnern stehen Gemeinschaftsbäder zur Verfügung, eines davon behindertengerecht. Bewohner mit eingeschränkter Mobilität wohnen im Erdgeschoss, in die zweite Etage führt eine Treppe. "Wir wollen bald einen Treppenlift einbauen lassen", blickt Kaßler in die Zukunft.
Um die Ecke liegt ein kleiner Garten. "Aber den konnten wir in diesem Jahr nur wenig nutzen, es war zu heiß oder es hat geregnet." Aber im Haus gibt es genügend Abwechslung: Fernsehen, Spielen, aber auch den Speiseplan vorbereiten. Und mittendrin, als Liebling der WG, Hund Jacky.Die Bewohner der Wohngemeinschaft in Stoppenberg haben mit dem Hausbesitzer reguläre Mietverträge abgeschlossen. Zudem bezahlen sie eine Betreuungspauschale an den Träger "Pflegenetzwerk". Bei Pflegebedürftigkeit der Bewohner sind die Pflegekassen zuständig.
<<< Zurück zur Übersicht